Sieben freie Künste
| ID | 22 |
|---|---|
| Title | Sieben freie Künste |
| Short Description | Die sieben freien Künste (lateinisch septem artes liberales; kurz auch artes liberales, seltener auch studia liberalia) sind ein in der Antike entstandener Kanon von sieben Studienfächern. Aus diesen freien Künsten bestand traditionell die einem freien Mann ziemende Bildung, ihre Siebenzahl ist aber erst in der Spätantike bezeugt. Im mittelalterlichen Lehrwesen galten sie als Vorbereitung auf das Studium an den Fakultäten für Theologie, Jurisprudenz und Medizin. |
| Detailed Content | Umfang und Gliederung Die freien Künste waren so bezeichnet, um sie gegenüber den praktischen Künsten (Artes mechanicae) als höherrangig zu bewerten. Seneca schreibt in seinem 88. Brief: Quare liberalia studia dicta sint vides: quia homine libero digna sunt („Du siehst, warum die freien Künste so genannt werden: weil sie eines freien Menschen würdig sind“). Als freier Mann galt, wer nicht zum Broterwerb arbeiten musste. Somit konnten nur solche Beschäftigungen würdig sein, die keine Verbindung mit Erwerbstätigkeit hatten.[1] Man unterschied bei den freien Künsten das Trivium (Dreiweg) der sprachlich und logisch-argumentativ ausgerichteten Fächer, welche die Voraussetzung für jede Beschäftigung mit der (lateinischen) Wissenschaft bilden, und das weiterführende Quadrivium (Vierweg) der mathematischen Fächer. Zum Trivium gehörten: Grammatik: Lateinische Sprachlehre und ihre Anwendung auf die Werke der klassischen Schulautoren Rhetorik: Redeteile und Stillehre, ebenfalls mit Beispielen aus den Schulautoren Dialektik bzw. Logik: Schlüsse und Beweise auf der Grundlage des Organons Zum Quadrivium gehörten: Arithmetik: Zahlentheorie (Zahlbegriff, Zahlenarten, Zahlenverhältnisse) und z. T. auch praktisches Rechnen Geometrie: euklidische Geometrie, Geographie, Agrimensur Musik: Musiktheorie und Tonarten unter anderem als Grundlage der Kirchenmusik Astronomie: Lehre von den Sphären, den Himmelskörpern und ihren Bewegungen, unter Einschluss der Astrologie (Auswirkungen auf die sublunare Sphäre und den Menschen). Bis in das 18. Jahrhundert bildeten Astrologie und Astronomie ein Gebiet, das beide Bezeichnungen tragen konnte. Innerhalb des Gebietes wurde wiederum zwischen beiden Teilgebieten unterschieden.[2] Seite aus dem Tübinger Hausbuch aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Von links nach rechts die sieben freien Künste mit der Zuordnung zu den sieben Wandelgestirnen, den sieben Wochentagen und den sieben Planetenmetallen: Geometrie: Saturn – Samstag – Blei Logik (anstatt der Dialektik): Jupiter – Donnerstag – Zinn Arithmetik (ars metrica): Mars – Dienstag – Eisen Grammatik: Sonne – Sonntag – Gold Musik: Venus – Freitag – Kupfer Physik (anstatt der Astronomie): Merkur – Mittwoch – Quecksilber Rhetorik: Mond – Montag – Silber Der im 5. Jahrhundert lebende römische Schriftsteller Martianus Capella verfasste De nuptiis Philologiae et Mercurii, das als Lehrbuch der sieben Künste dienen sollte. In dieser Tradition wurden die sieben Künste personifiziert in Form von weiblichen Allegorien und häufig mit folgenden Attributen dargestellt: Grammatik – Rute Rhetorik – Tafel und Griffel; oder auch Lorbeerkranz Dialektik – Schlange oder Hundekopf Arithmetik – Rechenbrett Geometrie – Zirkel, Staubtafel oder Dreieckslineal Musik – Musikinstrument Astronomie – Astrolabium Eine Sonderstellung nahm eine im 8./9. Jahrhundert publizierte, unter anderem von Alkuin und Hrabanus Maurus zur „Physica“ erweiterte Aufteilung des Quadriviums in die sieben Künste Arithmetik, Geometrie, Musik, Astronomie, Astrologie, Mechanik und Medizin ein.[3] Für die einzelnen Disziplinen existiert ein Merkvers in Hexametern: Gram loquitur, Dia vera docet, Rhe verba colorat, Mus canit, Ar numerat, Geo ponderat, As docet astra. Übersetzung (mit Auflösung der Abkürzungen): „Die Grammatik redet, die Dialektik lehrt das Wahre, die Rhetorik färbt die Worte, die Musik singt, die Arithmetik zählt, die Geometrie misst, die Astronomie lehrt die Gestirne.“ |
| Category | Philosophie |
| Source URL | https://de.wikipedia.org/wiki/Sieben_freie_K%C3%BCnste |